Der Bau eines Offenstalls erfordert mehr als nur eine gute Idee. Wer erfolgreich planen will, muss Baurecht, Wirtschaftlichkeit und Pferdewohl gleichermaßen im Blick behalten. Baurecht vorab klären Ob gebaut werden darf, hängt stark vom Standort ab: • Innenbereich (mit Bebauungsplan): klare Vorgaben • Außenbereich: meist nur für Landwirte privilegiert Tipp: Eine Bauvoranfrage schafft früh Sicherheit. Klare Ziele definieren Vor der Planung solltest du wissen: • Welche Art Betrieb entsteht? • Wie viele Pferde? • Privat oder gewerblich? Ein einfacher Businessplan hilft, Struktur und Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Offenstall richtig aufbauen Moderne Offenställe sind entsprechend der Funktionsbereiche gegliedert: • Fressen • Ruhen • Bewegen Wichtig: • Keine Sackgassen • Ausreichend Platz • Getrennte Bereiche reduzieren Stress Effizienz durch Technik Automatisierung spart Zeit und Kosten: • Futterstationen • Entmistungssysteme • Mechanisierte Heufütterung Aber: tägliche Pferdekontrolle bleibt Pflicht. Kosten realistisch planen Häufig unterschätzt: • Erdarbeiten • Genehmigungskosten • Technik Mindestens 20 % Reserve einplanen.
Mehrstufigen Bau mit Erweiterungsmöglichkeiten durchdenken und Gesamtplanung erstellen! Nachhaltig denken Sinnvolle Maßnahmen: • Solaranlagen • Regenwassernutzung • Regionale Baustoffe Ziel: wirtschaftlich UND umweltbewusst bauen. Sicherheit & Tierwohl • Ausweichmöglichkeiten für alle Pferde • Stabile, gut sichtbare Zäune • Rutschfeste, passende Böden Ein guter Offenstall orientiert sich immer am natürlichen Verhalten der Pferde. Fazit Ein erfolgreicher Offenstall entsteht durch klare Planung, realistische Kalkulation und konsequente Ausrichtung am Pferdewohl. Wer diese Punkte beachtet, schafft eine nachhaltige und funktionierende Anlage.
Warum eine unabhängige Analyse der Schlüssel zur richtigen Entscheidung ist
Die Anforderungen an Pferdebetriebe haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Mehr Tierwohl, effizientere Abläufe und steigende Erwartungen von Einstellern stellen viele Betriebe vor neue Herausforderungen.
Gleichzeitig stehen viele Stallbetreiber vor der Frage: 👉 Wie kann ich meinen Betrieb sinnvoll weiterentwickeln, ohne Fehlinvestitionen zu riskieren?
Die Antwort liegt selten in einzelnen Produkten oder schnellen Lösungen – sondern in einer ganzheitlichen Betrachtung des Betriebs.
🐴 Der Betrieb als Gesamtsystem
Ein Pferdebetrieb funktioniert wie ein Zusammenspiel vieler Faktoren:
Haltungssystem
Arbeitsabläufe
Flächennutzung
Infrastruktur
Veränderungen in einem Bereich wirken sich immer auf andere Bereiche aus. Deshalb ist es entscheidend, den Betrieb als Gesamtsystem zu betrachten – nicht nur einzelne Bausteine zu optimieren.
⚖️ Warum unabhängige Beratung entscheidend ist
Viele Entscheidungen im Stallbau oder bei der Modernisierung werden durch bestehende Systeme oder konkrete Produkte beeinflusst.
Doch die entscheidende Frage sollte immer sein: 👉 Was passt wirklich zu meinem Betrieb?
Eine unabhängige Analyse hilft dabei:
individuelle Anforderungen klar zu erkennen
objektive Entscheidungen zu treffen
langfristig sinnvolle Lösungen zu entwickeln
Ohne den Druck, ein bestimmtes System einsetzen zu müssen.
🌿 Potenziale erkennen, bevor investiert wird
Oft liegen große Verbesserungsmöglichkeiten bereits in der bestehenden Anlage.
Durch eine gezielte Analyse lassen sich:
Flächen effizienter nutzen
Arbeitswege optimieren
Tierwohl verbessern
Und das häufig, ohne sofort große Investitionen tätigen zu müssen.
🏗️ Entwicklung mit Weitblick
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die vorausschauende Planung.
Nicht jeder Betrieb möchte oder kann alle Maßnahmen sofort umsetzen. Deshalb ist es sinnvoll, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das in einzelnen Schritten realisiert werden kann.
Wichtig dabei: 👉 Die einzelnen Maßnahmen müssen so geplant sein, dass zukünftige Erweiterungen jederzeit möglich bleiben.
So entsteht:
eine klare Entwicklungsstrategie
Planungssicherheit
maximale Flexibilität für die Zukunft
⚙️ Wirtschaftlichkeit beginnt in der Struktur
Ein gut geplanter Betrieb spart täglich Zeit und Kosten.
Durch durchdachte Strukturen lassen sich:
Abläufe vereinfachen
Arbeitszeiten reduzieren
Ressourcen gezielt einsetzen
Das Ergebnis ist ein Betrieb, der sowohl wirtschaftlich als auch pferdegerecht funktioniert.
🧭 Fazit
Die erfolgreiche Weiterentwicklung eines Pferdebetriebs beginnt nicht mit dem Kauf eines Produkts – sondern mit dem Verständnis der eigenen Anforderungen.
Wer seinen Betrieb ganzheitlich betrachtet und mit Weitblick plant, schafft die Grundlage für langfristigen Erfolg – für Pferde, Menschen und den Betrieb selbst.
Bedampftes Heu für Pferde – warum staubfreies Raufutter immer wichtiger wird
Gesundes Raufutter ist die Grundlage jeder guten Pferdefütterung. Doch staubiges oder schimmeliges Heu ist in vielen Ställen ein häufiges Problem. Für Pferde kann belastetes Raufutter jedoch erhebliche gesundheitliche Folgen haben – von Husten und Atemwegserkrankungen bis hin zu Koliken oder Leistungseinbrüchen.
Eine innovative Lösung, um die Qualität von Heu und Stroh zu verbessern, ist das Bedampfen von Raufutter. Besonders die Behandlung von Großballen eröffnet neue Möglichkeiten für Pferdebetriebe.
Warum staubiges Heu für Pferde gefährlich sein kann
Staub, Bakterien, Hefen und Schimmelpilze gehören zu den häufigsten Belastungen im Raufutter. Besonders problematisch sind Feinstaubpartikel, die tief in die Atemwege gelangen können.
Mögliche Folgen für Pferde:
Equines Asthma
Leistungseinbrüche
Koliken und Verdauungsprobleme
Stoffwechselstörungen
erhöhtes Risiko für Hufrehe
Klimawandel erschwert die Produktion von hochwertigem Heu
Die Qualität von Heu wird zunehmend durch extreme Wetterbedingungen beeinflusst. Lange Trockenperioden wechseln sich mit intensiven Regenfällen ab. Dadurch wird die Ernte schwieriger und die Lagerung riskanter.
Feuchte Bedingungen während der Ernte oder Lagerung fördern das Wachstum von:
Schimmelpilzen
Bakterien
Hefen
Welche Methoden gibt es zur Verbesserung der Heuqualität?
Heu wässern
Das Einweichen von Heu kann Staubpartikel binden. Allerdings werden dabei auch wichtige Nährstoffe ausgewaschen. Zudem ist diese Methode relativ arbeitsaufwendig und meist nur für einzelne Pferde praktikabel.
Heulage füttern
Heulage enthält mehr Feuchtigkeit und bindet Staub besser. Allerdings ist sie empfindlicher bei der Lagerung und kann nach dem Öffnen schnell verderben.
Heu bedampfen
Das Bedampfen von Heu gilt als eine der effektivsten Methoden, um:
Staub zu reduzieren
Mikroorganismen zu verringern
die hygienische Qualität des Futters zu verbessern.
Großballenbedampfung – eine neue Lösung für Pferdebetriebe
Während herkömmliche Heubedampfer meist nur kleine Portionen behandeln können, ermöglicht ein modernes System die Bedampfung kompletter Rund- oder Quaderballen.
Dabei werden Ballen mit etwa 200 bis 400 kg Heu oder Stroh in einem Druckcontainer behandelt.
Bedampfter Heuballen direkt nach der Bedampfung geöffnet
Technische Eckdaten:
Temperaturen über 100 °C
Druck von etwa 3,5 bar
tiefe Durchdringung des Ballens mit Wasserdampf
Dadurch können Staub, Schimmelsporen und andere Mikroorganismen deutlich reduziert werden.
Der große Vorteil: Ein kompletter Ballen kann in einem Arbeitsgang hygienisiert werden.
Forschung zeigt deutliche Verbesserungen
Eine Studie der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen untersuchte die Wirkung eines Großballen-Bedampfungssystems.
Dabei wurden Heu-, Heulage- und Strohballen vor und nach der Bedampfung analysiert.
Das Ergebnis: Der Staubgehalt konnte deutlich reduziert werden.
Beispiel aus der Untersuchung:
Feinstaubpartikel (PM2.5) im Heu: 429 µg/m³ → 8 µg/m³ nach Bedampfung
Vorteile von bedampftem Heu im Überblick
✔ deutlich weniger Staub im Raufutter ✔ Reduktion von Schimmelpilzen und Mikroorganismen ✔ bessere Luftqualität im Stall ✔ geringeres Risiko für Atemwegserkrankungen ✔ hygienischeres Futter für den gesamten Bestand
Fazit: Mehr Gesundheit durch hygienisches Raufutter
Die Qualität des Raufutters hat einen enormen Einfluss auf die Gesundheit von Pferden. Moderne Verfahren wie die Bedampfung von Heu und Stroh können helfen, Staub und Keime deutlich zu reduzieren.
Gerade für größere Pferdebetriebe bietet die Bedampfung von Großballen eine praktikable Möglichkeit, die Hygiene im gesamten Stall nachhaltig zu verbessern.
Sauberes, hochwertiges Raufutter ist schließlich eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesunde Pferde und ein gutes Stallklima.
Das Zeitbudget gibt Auskunft über
die Verteilung der Tätigkeiten einer Tierart über den Tag unter bestimmten Voraussetzungen.
Das natürliche Zeitbudget von Pferden in der freien Wildbahn setzt sich aus 60% Fressen; 20% Stehen; 10% Liegen; 10% Sonstiges zusammen, wie aus Abb. 1 hervorgeht. (Zeitler-Feicht; 2001). Unter Sonstiges sind die Funktionsbereiche Trinken, Spielen und Komfortverhalten zusammengefasst. Sie nehmen vergleichsweise wenig Zeit im Tagesablauf ein.
Bei der klassischen Haltung in Einzelboxen (im Extremfall auf Späne) verschiebt sich das Zeitbudget drastisch, die Anteile Stehen und Fressen in der Zeitverteilung werden weitgehend vertauscht (siehe Abb. 2). Es wird weder das Bewegungsbedürfnis der Pferde geweckt, noch wird deren Bewegungsbedarf gedeckt. Die Pferde fangen an, sich zu langweilen – es treten vermehrt Verhaltensstörungen auf (Koppen, Weben, Holznagen), die signalisieren, dass die Anpassungsgrenzen überschritten sind (Zeitler-Feicht; 2001).
Das Pferd steht in vielen Fällen 23
Stunden in der Box, wird 2 x täglich gefüttert und von seinem
Besitzer im Idealfall eine Stunde am Tag geritten. Mangelnde Bewegung führt zu
Steifheit – Sehnen, Bänder und Gelenke verlieren ihre Elastizität und sind
anfälliger für Verletzungen. ).
Bewegungsmangel behindert auch die
Selbstreinigungsfunktion der Atemwege und beeinträchtigt den gesamten Stoffwechsel.
Tiergerechte Haltung entspricht im Wesentlichen dem
Zeitbudget der Wildpferde und darf nur bedingt davon abweichen. Die
Laufstallhaltung mit Heu und Stroh ad libitum (zur freien Verfügung) erfüllt
weitgehend diese Ansprüche.
Die H.Dv.12
fasst das gesammelte Wissen der Kavallerieausbildung seit dem 18. Jahrhundert
zusammen. Sie beschäftigt sich überwiegend mit der Ausbildung von Pferd und
Reiter, die das Pferd und seinen Reiter für den Kriegseinsatz mit dem nötigen
Können ausstattete.
Im Krieg
wurden Millionen von Pferden eingesetzt, die unersetzliche Helfer des Menschen
waren. Es war unerlässlich und lebensnotwendig, dass die Reiter die Pferde
sicher beherrschten. Die Pferde mussten gehorsam, gewandt und ausdauernd sein.
Eine gute Ausbildung für alle Reiter und Pferde war die Grundlage für die
Erhaltung des Pferdematerials und die Sicherheit der Reiter.
Schon in
dieser Reitvorschrift wurde neben den fachlichen Details auf die erforderliche
Liebe zum Pferd hingewiesen, die eine wichtige Voraussetzung für den
dauerhaften Erfolg im Umgang mit Pferden ist. Wir nennen diese Liebe und das
dazugehörige Pferdeverständnis heute „Horsemanship“.
Xenophon war ein Schüler des Philosophen Socrates und wurde
eigentlich mit seinen philosophischen Schriften bekannt. In seinem Werk „Über
die Reitkunst“ schrieb er über die Grundlagen der Bedeutung der Achtsamkeit im
Umgang mit dem empfindsamen Wesen Pferd sowie über die geistige Einstellung zum
Pferd als Partner. Er plädierte schon damals für einen pferdefreundlichen und
schonenden Umgang mit dem Pferd.
Seine Schriften lassen darauf schließen, dass er ein echter
Horseman war. Er erkannte, dass das Fluchttier Pferd all seine Sinne auf das
Feinste geschärft haben musste, um jederzeit auf Umgebungsreize reagieren und
wenn es erforderlich war, flüchten zu können. Diese intensive Ausprägung seiner
Sinne bestimmt den Umgang mit dem Pferd, verlangt Achtsamkeit und Zuwendung zum
Pferd, Präsenz und die innere Klarheit und Entschlossenheit des Menschen.
Pferde spüren durch unser Auftreten und unsere
Körpersprache Entschlossenheit oder Zögerlichkeit, Freude oder Angst und
reagieren darauf, egal was wir verbal formulieren oder wie wir nach außen
auftreten. Das ist der Grund, warum Pferde heute auch erfolgreich in Coachings
und Persönlichkeitstrainings eingesetzt werden und uns im täglichen Umgang ganz
nebenbei schulen.
Das Herdentier Pferd lässt sich zur Zusammenarbeit
überzeugen, wenn wir ihm starke und sichere, aber gewaltfreie Führung bieten.
Dazu sind Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit sowie
Wertschätzung und Respekt erforderlich.
Dieses Wissen, das Xenophon in seiner Kenntnis über
Philosophie und Pferde niedergeschrieben hat, ist noch heute für den
erfolgreichen Umgang mit dem Pferd und dem Nutzen, den wir für uns daraus
ziehen können, gültig und verkörpert auch zugleich den Grundstein für die
tiergerechte Pferdehaltung.
Regelmäßiger mehrstündiger Weidegang ist wichtig für das
Wohlbefinden und die Gesundheit der Pferde und für eine tiergerechte Haltung
unerlässlich. Hier können auch die Pferde aus der Einzelhaltung in kleinen
sorgfältig zusammengestellten Gruppen ihrem Bedürfnis nach engen
Sozialkontakten mit Artgenossen (z.B. Fellpflege), nachkommen, in natürlicher
Körperhaltung fressen und ihr Bewegungsbedürfnis durch Spielen und Laufen decken.
Sind die Pferde ganztägig oder über einen längeren Zeitraum
auf der Weide, ist ein Witterungsschutz für schlechtes Wetter oder beim
Aufkommen vieler Insekten sowie frisches Trinkwasser vorzuhalten.
Der Witterungsschutz muss alle Tiere gleichzeitig schützen,
sonst haben rangniedrige keine Chance. Es kann sich hierbei um ein Gebäude oder
einen Schuppen handeln, aber auch um eine mobile Hütte oder ein Waldstückchen,
das Schutz bietet.
Pferdeweiden erfordern einen hohen Pflegeaufwand, da Pferde
selektiv fressen und bestimmte Pflanzen bevorzugen. Auf diese Weise kommt es
mit der Zeit zu einer Artenverarmung auf der Weide, der durch gezielte Nachsaat
entgegengewirkt werden muss.
Mit ihrer Art, das Futter knapp über
der Grasnarbe abzubeißen, beanspruchen sie diese sehr stark und verursachen
nicht zuletzt mit ihren Hufen sehr leicht Trittschäden an der Grasnarbe. Beim
Koten und Stallen suchen Pferde bevorzugt dieselben Stellen auf, so dass hier
Geilstellen entstehen, wo keine Nahrung mehr aufgenommen wird und als Pflanzen
so genannte Stickstoffanzeiger wie Brennnesseln etc. wachsen. An diesen Stellen
ist ein deutlich erhöhtes Parasitenaufkommen festzustellen.
Durch eine gezielte Weidenpflege ist
es möglich, eine trittfeste artenreiche Grasnarbe und ein reichhaltiges
Futterangebot zu erhalten. Der Ausbreitung von Parasiten kann durch
regelmäßiges Absammeln des Kots und das Ausmähen von Geilstellen erfolgreich
entgegenwirkt werden. Die bestandsmäßige Entwurmung der Pferde mit wechselnden
Mitteln, um Resistenzen vorzubeugen, trägt dazu bei, den Parasitenbefall auf
den Weideflächen in Grenzen zu halten.
Im Frühjahr zu Beginn der
Weidesaison muss sich der Verdauungstrakt der Pferde langsam an das frische
Gras auf der Weide gewöhnen. Frisches Gras enthält mehr Wasser und Proteine als
altes Gras und im Dickdarm des Pferdes müssen sich erst langsam die
entsprechenden Bakterien bilden. Ein zu schnelles Anweiden kann zu Durchfall
oder Koliken führen, im schlimmsten Fall auch zu Hufrehe. Die Weidezeit sollte
im Frühjahr zunächst nur sehr kurz sein und dann täglich langsam gesteigert
werden, damit die Futterumstellung reibungslos vollzogen werden kann.
Bei der Beweidung ist zu
berücksichtigen, dass ein hoher Fructangehalt in den Gräsern zu Hufrehe führen
kann. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem rehegefährdete Tiere bei
sonnigem und kaltem Wetter nicht auf die Weide gebracht werden, da die Pflanzen
bei diesem Wetter zwar Fructane ausbilden, durch die fehlende Wärme aber nicht
für das Pflanzenwachstum verwenden.
Bei der Neuansaat von Weiden gibt es mittlerweile
spezielle Grasmischung mit einem hohen Anteil an fructanarmen Gräsern.
Zur Nahrungsaufnahme nimmt das Pferd Gras zwischen die
Lippen und die Schneidezähne und reißt die Halme ab. Kraftfutter wird in
kleinen Portionen aufgenommen.
Das Pferd zerkleinert die Nahrung durch mahlende Bewegung
seiner Backenzähne. Da das Futter heute oft weniger gekaut werden muss als in
der Steppe, kann es zur Hakenbildung auf den Zähnen kommen, die eine
regelmäßige Gebisskontrolle erforderlich machen.
Nach dem Abschlucken der Nahrung gelangt der Nahrungsbrei
über die Speiseröhre, in der er durch peristaltische Bewegungen weiter in den
Magen bewegt wird. Die Speiseröhre weist einige Verengungen auf, nämlich an
ihrem Eingang und an ihrem Eintritt in den Brustkorb, sowie an dem Durchtritt
durch das Zwerchfell. Hier kann es durch große Futterstücke oder bei der
Fütterung nicht ausreichend aufgeweichter Rübenschnitzel zu Verstopfungen
kommen (Schlundverstopfungen).
Der Magen des Pferdes ist im Verhältnis zu seinem
Körpergewicht sehr klein. Das ist seiner physiologischen Ausprägung als
Steppentier geschuldet, das über den Tag verteilt kleine Mengen an
rohfaserreichem und kohlenhydratarmem Futter zu sich nimmt. Im Magen erfolgt
die Eiweißverdauung durch das Enzym Pepsin. Dieses wird durch die Produktion
von Magensaft (Salzsäure) angeregt, die außerdem eine antibakterielle Wirkung
hat und Keime im Futter abtötet.
Entsprechend der vorliegenden Anatomie des Pferdes sollten
nicht zu große Futtermengen auf einmal in den Magen des Pferdes gelingen, weil
dann eine gute Durchmischung der zu verdauenden Nahrung mit Magensaft nicht
mehr gegeben ist und die Verdauung nicht optimal ablaufen kann.
Die Gabe von
Heu vor dem Füttern von Kraftfutter sorgt dafür, dass gut eingespeichelte und
damit gleitfähige Nahrung zuerst in den Magen gelangt. Die Magensaftproduktion,
die Produktion von Verdauungsenzymen in der Bauchspeicheldrüse und im Dünndarm
wird bereits in Gang setzt, bevor das stärkehaltige Kraftfutter, das meistens
ohne ausgeprägte Kautätigkeit heruntergeschlungen wird, in den Magen gelangt.
Der
Mageninhalt kann am besten von Magensäure durchsetzt werden, wenn es sich um
einen lockeren und gut eingespeichelten Nahrungsbrei handelt. Dieser kann den Magen
relativ schnell in den Dünndarm verlassen und dort die Basis für eine gute
Dünndarmverdauung bilden.
Wird
Kraftfutter in großen Portionen ohne vorherige Raufuttergaben verabreicht,
befindet sich anschließend im Magen des Pferdes ein relativ trockener und
schwer mit Magensäure zu durchsetzender Futterklumpen, der auch eine längere
Aufenthaltszeit im Magen hat. Dabei beginnt vermehrt der Abbau der Stärke aus
dem Kraftfutter zu Milchsäure im Magen. Diesem Prozess wird unterstellt, dass
er die Bildung von Magengeschwüren beim Pferd unterstützt. Die Vergärung beim
Stärkeabbau fördert die Entstehungen von Koliken.
Der Dünndarm
besteht aus dem Zwölffngerdarm, dem Leerdarm und dem Hüftdarm und hat eine
Gesamtlänge von ca. 20 Metern. Hier erfolgt die weitere enzymatische Verdauung
des Kraftfutters, während das Raufutter den Dünndarm weitgehend unverdaut in
den Dickdarm verlässt und dort verdaut wird. Im Zwölffingerdarm werden dem
Nahrungsbrei die Enzyme aus dem Bauchspeicheldrüsensekret und aus der Galle
beigemischt. Diese dienen dem Abbau der Fette und Kohlenhydrate im Dünndarm.
Die im Dünndarm produzierten Darmsaft enthaltenen Enzyme dienen der
Eiweißverdauung.
Die Galle wird
in der Leber des Pferdes produziert und direkt in den Dünndarm abgegeben, da
das Pferd keine Gallenblase als Zwischenspeicher für das Gallensekret hat.
Die Enzyme im
Dünndarm sorgen für die weitere Aufspaltung der Nahrung in ihre
Grundbestandteile. Die freigesetzten Nährstoffe und ein großer Teil der im Darm
befindlichen Flüssigkeit werden von den Darmzotten aufgenommen und an den
Körper zur Nährstoffversorgung abgegeben. Eine Störung in der Wasseraufnahme im
Darm wird durch das Auftreten von Durchfall erkennbar. Das kann zu erheblichen
Wasserverlusten und einer Störung des Allgemeinbefindens führen.
Der Dickdarm
des Pferdes besteht aus dem Blinddarm, dem großen und dem kleinen Colon und hat
eine Länge von ca. 8 m. Im Dickdarm wird die Zellulose aus den Rohfasern des
Raufutters verarbeitet und der Verdauungsprozess der Nahrung abgeschlossen. Die
hier gewonnenen flüchtigen und hochverdaulichen Fettsäuren werden von der
Darmwand resorbiert und dem Körper als verarbeitbare Energie zur Verfügung
gestellt.
Im hinteren Dickdarmbereich, der in den Mastdarm mit
dem Anus übergeht, wird der unverdaute Nahrungsbrei entwässert, geformt und als
Kot ausgeschieden.
Umzäunungen dienen zunächst einmal der Sicherheit von
Mensch und Tier. Sie müssen stabil und ausbruchssicher, verletzungsarm und
sicher sein und die Verhaltensweisen des Pferdes als Fluchttier
berücksichtigen. Brechen Pferde aus einer Weide oder Umzäunung aus, sind sie
zum Einen schwer einzufangen, zum Anderen stellen sie eine wesentliche
Gefährdung für die Teilnehmer im Straßenverkehr dar.
Zäune sollten den in der einschlägigen Fachliteratur
vorgegebenen Standardanforderungen entsprechen, gut sichtbar und von
ausreichender Höhe sein sowie eine entsprechende Stabilität aufweisen. Wie hoch
und ausgeprägt das Zaunsystem sein muss, ist abhängig von der Rasse und
Beschaffenheit der Tiere bzw. der Pferdegruppe, vom Futterangebot, der Lage der
Weide- und Auslauffläche und vielem mehr.
Ein Hengstauslauf stellt deutlich höhere Anforderungen an
einen Zaun als eine Ponyherde. In direkter Lage an einer vielbefahrenen Straße
ist die Sicherheitsanforderung an das Zaunsystem wesentlich größer als auf
einer hofnahen Fläche fernab des Straßenverkehrs.
Bei der Einzäunung von Weide- und Paddockflächen sind
spitze Winkel und Sackgassen zu vermeiden, damit rangniedrige Tiere dort nicht
hineingetrieben werden können.
Geeignete Materialien für den Zaunbau sind Metall, Holz,
stabile hochbelastbare, breite Gurt- und Gummibänder sowie Elektrozaun. Die
Verwendung von Stacheldraht als Weidezaunbegrenzung ist tierschutzwidrig und
darf, wenn überhaupt nur angewendet werden, wenn in einem Mindestabstand von
0,50 m ein gut sichtbarer Elektrozaun die Pferde vom Stacheldrahtzaun fernhält.
Die Tiergerechtheit und Hütesicherheit von Elektrozäunen ist eingeschränkt, da
er mechanisch nicht sehr belastbar ist.
Das Fluchttier Pferd kann stehende Gegenstände nur gut
wahrnehmen, wenn sie groß genug sind und sich von der Umgebung abheben. Daher
ist ein stabiler Holz- oder Metallzaun als Abgrenzung geeignet. Erschrecken die
Pferde, neigen sie auf Grund ihrer arttypischen Verhaltensweisen dazu,
loszustürmen und relativ schnell hohe Laufgeschwindigkeiten zu erreichen. Der
tiergerechte, hütesichere Zaun muss also so ausgebildet sein, dass er dem
Aufprall eines Pferdes standhält.
Pferde sind Saugtrinker, die die Lippen bis auf eine kleine
Öffnung fest verschließen und durch diese Öffnung Wasser ansaugen. Durch das
Zurückziehen der Zunge in der Mundhöhle wird ein Unterdruck erzeugt, der
gewährleistet, dass das Wasser ansaugt wird. Das Wasser wird in langen Zügen
getrunken, wobei die Pferde den Trinkvorgang immer wieder unterbrechen, um ihre
Umgebung zu beobachten. Beim Unterbrechen des Trinkvorgangs kauen die Pferde
wie beim Fressen, wobei meist etwas Wasser aus dem Maul tropft.
Der tägliche Wasserbedarf der Pferde variiert zwischen 20
und 60 l/Tag. Er ist abhängig von der Außentemperatur und den
Umweltbedingungen, der Arbeitsleistung und der dadurch bedingten Schweißabgabe
und vielen anderen Faktoren.
Pferde trinken bei freiem Wasserangebot über Selbsttränken
mehrmals täglich, bei großer Hitze zum Teil sogar stündlich vor oder nach der
Nahrungsaufnahme. Bei Wassermangel kommt es zu Verstopfungskoliken,
eingefallenen Flanken und Leistungsabfall.
Es ist darauf zu achten, dass die Tränkebecken immer sauber
sind, da Pferde kein mit Kot verdrecktes Wasser trinken. Es muss ein guter
Wasserzufluss zu den Tränken gewährleistet sein, der mind.
18 – 20 l/min betragen sollte, damit die Pferde mit ausreichend
Wasser während des Trinkvorgangs versorgt werden.
Die Futterstellen und die Tränke sollten sowohl in der
Boxen- als auch in der Gruppenhaltung räumlich getrennt werden, damit die
Pferde ihr Raufutter nicht einstippen oder die Tränken mit Kraftfutter
verschmutzen. Geringere Kautätigkeit, weniger eingespeicheltes Futter und
demzufolge schlechtere Verdaulichkeit können die Kolikgefahr in diesem Fall
erhöhen.
Die Wasserleitungen und Tränken sollten mit einem
beheizbaren System ausgestattet sein, um ein Einfrieren des Wassers zu
verhindern.