ABC der tiergerechten Haltung

W – Weidegang

Regelmäßiger mehrstündiger Weidegang ist wichtig für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Pferde und für eine tiergerechte Haltung unerlässlich. Hier können auch die Pferde aus der Einzelhaltung in kleinen sorgfältig zusammengestellten Gruppen ihrem Bedürfnis nach engen Sozialkontakten mit Artgenossen (z.B. Fellpflege), nachkommen, in natürlicher Körperhaltung fressen und ihr Bewegungsbedürfnis durch Spielen und Laufen decken.

Sind die Pferde ganztägig oder über einen längeren Zeitraum auf der Weide, ist ein Witterungsschutz für schlechtes Wetter oder beim Aufkommen vieler Insekten sowie frisches Trinkwasser vorzuhalten.

Der Witterungsschutz muss alle Tiere gleichzeitig schützen, sonst haben rangniedrige keine Chance. Es kann sich hierbei um ein Gebäude oder einen Schuppen handeln, aber auch um eine mobile Hütte oder ein Waldstückchen, das Schutz bietet.

Pferdeweiden erfordern einen hohen Pflegeaufwand, da Pferde selektiv fressen und bestimmte Pflanzen bevorzugen. Auf diese Weise kommt es mit der Zeit zu einer Artenverarmung auf der Weide, der durch gezielte Nachsaat entgegengewirkt werden muss.

Mit ihrer Art, das Futter knapp über der Grasnarbe abzubeißen, beanspruchen sie diese sehr stark und verursachen nicht zuletzt mit ihren Hufen sehr leicht Trittschäden an der Grasnarbe. Beim Koten und Stallen suchen Pferde bevorzugt dieselben Stellen auf, so dass hier Geilstellen entstehen, wo keine Nahrung mehr aufgenommen wird und als Pflanzen so genannte Stickstoffanzeiger wie Brennnesseln etc. wachsen. An diesen Stellen ist ein deutlich erhöhtes Parasitenaufkommen festzustellen.

Durch eine gezielte Weidenpflege ist es möglich, eine trittfeste artenreiche Grasnarbe und ein reichhaltiges Futterangebot zu erhalten. Der Ausbreitung von Parasiten kann durch regelmäßiges Absammeln des Kots und das Ausmähen von Geilstellen erfolgreich entgegenwirkt werden. Die bestandsmäßige Entwurmung der Pferde mit wechselnden Mitteln, um Resistenzen vorzubeugen, trägt dazu bei, den Parasitenbefall auf den Weideflächen in Grenzen zu halten.

Im Frühjahr zu Beginn der Weidesaison muss sich der Verdauungstrakt der Pferde langsam an das frische Gras auf der Weide gewöhnen. Frisches Gras enthält mehr Wasser und Proteine als altes Gras und im Dickdarm des Pferdes müssen sich erst langsam die entsprechenden Bakterien bilden. Ein zu schnelles Anweiden kann zu Durchfall oder Koliken führen, im schlimmsten Fall auch zu Hufrehe. Die Weidezeit sollte im Frühjahr zunächst nur sehr kurz sein und dann täglich langsam gesteigert werden, damit die Futterumstellung reibungslos vollzogen werden kann.

Bei der Beweidung ist zu berücksichtigen, dass ein hoher Fructangehalt in den Gräsern zu Hufrehe führen kann. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem rehegefährdete Tiere bei sonnigem und kaltem Wetter nicht auf die Weide gebracht werden, da die Pflanzen bei diesem Wetter zwar Fructane ausbilden, durch die fehlende Wärme aber nicht für das Pflanzenwachstum verwenden.

Bei der Neuansaat von Weiden gibt es mittlerweile spezielle Grasmischung mit einem hohen Anteil an fructanarmen Gräsern.

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