ABC der tiergerechten Haltung

R – Ruheverhalten

Neben dem Fressen, was den größten Teil des Tages einnimmt, verbringen die Pferde in der freien Wildbahn die meiste verbleibende Zeit des Tages mit Ruhen. Das kann in Form von Dösen im Stehen bis zum Schlafen in der Seitenlage vorkommen.

Die Zeit der Ruhephasen richtet sich bei frei lebenden Tieren nach dem Futterangebot und den Umweltbedingungen. Ist das Futterangebot gering, werden die Ruhephasen zugunsten der Futtersuche verringert.

Als Fluchttier ruht das Pferd niemals über einen langen Zeitraum am Stück, sondern verteilt in kurze Phasen von einer Dauer von 20 – 30 Minuten auf den ganzen Tag. Bedingt durch ihren Biorhythmus treten die Ruhephasen in der Nacht und bei Dunkelheit jedoch häufiger auf als am Tage. 

Während die Pferde im Stehen dösen, sind ihre Augen halb geschlossen, die Unterlippe hängt entspannt herab und die Kopf-Hals-Linie ist gesenkt. Die Hinterbeine werden dabei abwechselnd entlastet, wobei die Pferde ihre Gliedmaßen soweit fixieren können, dass sie auch im Stehen ihre Muskulatur entlasten können. Auch in dieser Haltung können die Pferde in die Tiefschlafphase gelangen.

Die Phasen, in denen die Pferde wirklich liegen, sind nur sehr kurz. Sie legen sich generell nur in vertrauter Umgebung ab. Dann liegen sie entweder mit untergeklappten Beinen, wobei sie den Kopf mit dem Maul abstützen und ebenfalls ein dösender Ausdruck im Gesicht erkennbar ist.

Alternativ liegen die Pferde ausgestreckt auf der Seite und haben die Augen dabei geschlossen, wobei diese Haltung noch seltener eingenommen wird. Alte Pferde legen sich oft gar nicht mehr hin, wobei anzumerken ist, dass junge Pferde insgesamt deutlich mehr und längere Ruhephasen haben als ältere.

In der freien Wildbahn legen sich nie alle Pferde gleichzeitig zur Ruhe – einige Pferde stehen vielleicht dösend, aber jederzeit reaktionsbereit um die liegenden Tiere herum, sodass diese bei Gefahr rechtzeitig gewarnt werden.

Pferde bevorzugen zum Liegen einen trockenen verformbaren Untergrund. Generell verkürzen sich die Liegezeiten, wenn der Untergrund, also die Einstreu feucht ist. Das gilt auch für den Fall, dass die Pferde sich nicht sicher genug fühlen, wenn Hör-, Geruchs- und Sichtkontakt zu ihren Artgenossen nicht gegeben sind.

In der Einzelhaltung ist es der Mindestplatzbedarf, den die Pferde benötigen, um sich bequem ablegen und wieder aufstehen zu können, aus dem die Definition der Boxengröße gem. der gültigen Richtlinien resultiert.

In der Gruppenhaltung sieht man die Pferde einer Gruppe nicht alle auf einmal in der Liegehalle liegen. Hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass auch rangniedrige Pferde ihre Schlaf- und Liegezeiten einhalten können und nicht von den ranghohen Tieren um ihr Ruhebedürfnis gebracht werden. Dabei kommt wieder dem Sachverstand und der Beobachtungsgabe des Betriebsleiters eine besondere Bedeutung zu.

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