ABC der tiergerechten Haltung

J – Jugend und Alter

Das altersgerechte Wohnen ist nicht nur bei Menschen ein Thema, sondern trifft auch den Pferdebereich, wenn den Bedürfnissen der Tiere entsprochen werden soll.

Fohlen und Jungpferde haben ein besonders ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis sowie einen ausgeprägten Spieltrieb. Diesem müssen Jungpferdegruppen bei der Aufzucht gerecht werden. Die Pferde prägen im Spiel unbewusst ihre Bewegungskoordination aus und trainieren gleichzeitig ihr Sozialverhalten. Auch die Neugier ist bei jungen Tieren deutlich ausgeprägter als bei älteren Pferden, für die viele Dinge schon Gewohnheit und Routine sind.

Die Aufzucht von Fohlen erfolgt in der Regel nach dem Absetzen in Gruppen, die nach Geschlechtern getrennt sind. Das ist einerseits den unterschiedlichen Spieleigenschaften von Stuten und Wallachen geschuldet, da Hengste Kampfspiele mit Steigen, Beißen, Verfolgen, Hinknien, umeinander Kreiseln lieben, die aber meist in friedlicher Absicht und mit viel Freude ablaufen. Es sind dabei selten echte Drohgebärden zu beobachten und auch Verletzungen treten dabei nur selten auf. Stuten bevorzugen dagegen eher Laufspiele und gegenseitige Fellpflege. Zum anderen entwickelt sich der Geschlechtstrieb der Hengstfohlen im 2. Lebensjahr und man vermeidet auf diese Weise unbeabsichtigte Deckversuche.

Auch alte Pferde eignen sich dazu, in separaten Gruppen gehalten zu werden. Da sie oft altersbedingt nicht mehr so reaktionsschnell und beweglich sind, besteht die Gefahr, dass sie in einer gemischtaltrigen Gruppe mit vielen jungen Pferden vermehrt verjagt werden und Stress bekommen.

Bei der Fütterung benötigen alte Pferde oft längere Fresszeiten, um ihren Energiebedarf zu decken. Da die Zähne oft nicht mehr so intakt sind, kann die Verabreichung von altersgerechten Futtermitteln wie Heucobs etc. erforderlich werden. Auch die unrationierte Gabe von Raufutter kann die Deckung des Energiebedarfs erleichtern.

Auch alte Pferde müssen sich hinlegen und zu diesem Zweck sind sie in einer ruhigen, kleineren Gruppe mit anderen Gleichgesinnten besser aufgehoben. Es ist aber auch hier auf eine gute Verteilung der Funktionsbereiche zu achten, denn der Bewegungsanreiz durch äußere Umstände ist für ältere und ruhigere Pferde besonders wichtig und für Pferde mit Arthrose ist konstante ruhige Bewegung ein besonders wichtiges Kriterium.

Eine gute Möglichkeit ist es auch, wenn man einen Transponder-gesteuerten Zugang älterer Pferde in einen Ruhebereich schaffen kann, in dem diese Tiere sich hinlegen oder unrationiert Heu fressen können. Hier ist entscheidend, einen Anreiz zu bieten, dass die Pferde diesen Bereich auch wieder verlassen und sich auf diese Weise neben der gewünschten Ruhe auch die erforderliche Bewegung verschaffen. Dazu sollten Tränke und Kraftfutterstation außerhalb dieses Bereiches liegen.

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