ABC der tiergerechten Haltung

K – Klima – Indikatoren für ein gutes Stallklima

Als Flucht- und Steppentier verfügt das Pferd über einen hohen Licht- und Frischluftbedarf. Es hat einen sehr leistungsfähigen Atmungsapparat, der sehr empfindlich auf Staub- und Schadgase (z.B. Ammoniak) in der Luft reagiert.

Die Qualität des Stallklimas wird durch die Faktoren Lufttemperatur, -feuchtigkeit, -zirkulation sowie die Belastung durch Staub und Schadgase bestimmt.

Die Voraussetzung für ein gutes Stallklima ist zunächst einmal durch ein ausreichendes Luftvolumen im Stall gegeben. Um das zu erreichen, ist die Deckenhöhe im Stall ein entscheidender Faktor und sollte ausreichend hoch sein. Des Weiteren sorgen ausreichende Frischluftzufuhr und angemessene Luftzirkulation für einen guten Luftaustausch, der Schadgase, Staub und Keime schnell aus dem Stall entfernt und die relative Luftfeuchtigkeit in einem für Pferde verträglichen Bereich hält.

Für Pferdeställe wird eine relative Luftfeuchtigkeit von 60 -65 % angestrebt. Durch mangelnde Frischluftzufuhr in geschlossenen Ställen kann die Luftfeuchtigkeit auf bis zu 90 % ansteigen, da die Pferde über die Haut und Atmung Wasser abgeben. Hinzu kommt Feuchtigkeit aus verdunstetem Harn, Reinigungs- und Schwitzwasser der Pferde. Diese feuchte Luft ist idealer Nährboden für Keime und Krankheitserreger und muss durch trockene Frischluft ersetzt werden.

Das Schadgas Ammoniak (NH3) entsteht beim mikrobiellen Abbau von Einweiß und Harnstoff durch ureaseaktive Bakterien aus Kot und Harn. Mit der steigenden Luftfeuchtigkeit im Stall erhöht sich die Konzentration an Ammoniak und verleiht schlecht durchlüfteten Pferdeställen ihren typischen Geruch. Ammoniak reizt die Schleimhäute der Atemwege und kann deren Erkrankung führen. Eine Überversorgung im Futter mit Eiweiß (Kraftfutter) sollte vermieden werden, da das überschüssige Eiweiß im Körper in Stickstoff umgewandelt wird. Dieser wird über die Nieren als Harnstoff ausgeschieden und beeinflusst auf diese Weise ebenfalls die Stall-Luftqualität .

Eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit sollte ebenfalls vermieden werden, da diese zu einer erhöhten Staubentwicklung führt.

Das Steppentier Pferd war in der freien Steppe permanent Wind und Wetter sowie großen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Pferde vertragen bei entsprechender Gewöhnung problemlos Temperaturschwankungen von -20 bis +30 Grad.

Pferde besitzen eine sehr leistungsfähige Thermoregulation, die sie in die Lage versetzen, ihre Körpertemperatur auch bei wechselnden Temperaturverhältnissen stabil zu halten. Dieses Thermoregulationsvermögen reagiert umso besser, desto besser es durch die Anpassung an Temperaturschwankungen (Tag/Nacht, Sommer/Winter) trainiert ist und erhöht so die Widerstandskraft und die Anpassungsfähigkeit an die jeweils vorliegenden Klimagegebenheiten.

Eine gleichmäßige Stalltemperatur ist auf gar keinen Fall anzustreben, da dadurch eine Stimulierung der thermoregulatorischen Fähigkeiten nicht erfolgt.

Angestrebt wird heute bei Neubauten ein Aussenklimastall, in dem die Stalltemperatur ganzjährig gemäßigt den Außentemperaturen folgt.

Die Luftzufuhr in Ställen wird neben dem Management besonders durch die bauliche Anordnung der Gebäude, die Berücksichtigung der Windrichtung und die Anordnung der Gebäudeöffnungen und der Lüftungsmöglichkeiten geregelt. Idealerweise wird der Stall mit der Längsachse in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, damit auf ganzer Breite eine optimale Durchlüftung gegeben ist. Die Luftströmung im Pferdestall sollte mind. 0,2 m/s betragen, im Sommer bei hohen Temperaturen ist eine Steigerung auf bis zu 0,6 m/s sinnvoll.

Die Luftströmung, die die Frischluftzufuhr und der Luftaustausch im Stall mit sich bringen, ist wünschenswert und bedeutet für das Pferd keine Zugluft, sondern regt die Thermoregulation der Tiere an. Zugluft wird definiert als punktueller kalter Luftzug, der einzelne Körper auskühlt, die Thermoregulation jedoch nicht in Gang setzt.

Der Stoffwechsel und der Hormonhaushalt der Pferde werden über die Lichtstärke gesteuert (Rosse, Fellwechsel); die meisten Prozesse unterliegen einer Tagesperiodik, die von endogenen Faktoren (innere Uhr) und exogenen Faktoren (Licht, Temperatur) gesteuert werden. Das Steppentier Pferd hat einen hohen Lichtbedarf, den es in dunklen Ställen nicht ausreichend decken kann.

Der Klimafaktor Licht ist gebäudetechnisch steuerbar.Im Stallbereich kann man durch viele Fensteröffnungen und Einbau von Lichtplatten gute Luft- und Lichtverhältnisse erreichen, was sich auch positiv auf den Stromverbrauch der gesamten Anlage auswirkt. Auch die im Stall arbeitenden Menschen empfinden einen gut durchlüfteten und hellen Stall angenehmer als einen dunklen und schlecht belüfteten Stall. Als Richtwert für die Beleuchtungsstärke sind im Boxenbereich mindestens 80 Lux über 8 Stunden sicherzustellen.

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