ABC der tiergerechten Haltung

P – Problemverhalten von Pferden

Als Problemverhalten bei Pferden wird ein unerwünschtes Verhalten beschrieben, dass den Menschen Probleme im Umgang mit dem Pferd in der Haltung bzw. in der Nutzung bereitet.

Verhaltensstörungen zeichnen sich durch erhebliche Abweichung vom normalen, für die Tierart üblichen Verhalten aus und werden häufig durch nicht tiergerechte Haltung oder Umgang verursacht, wenn die Anpassungsgrenzen des Pferdes an seine Umweltbedingungen überschritten sind. Auch daraus kann für den Menschen ein Problemverhalten entstehen, an dieser Stelle soll auf dieses komplexe Thema jedoch nicht weiter eingegangen werden.

Entwickelt ein Pferd Problemverhalten ohne eine zugrunde liegende Verhaltensstörung, verhält es sich meist genau seiner Art entsprechend und das Problemverhalten entsteht durch Unkenntnis der Pferdehalter im tiergerechten Umgang mit dem Pferd und bereitet diesem Probleme, da das Tier sich nicht wunschgemäß verhält.

Weigert sich ein Pferd zunächst, sich in den Pferdeanhänger führen zu lassen, ist das arttypisches Verhalten. Durch konsequentes Üben und Gewöhnung wird das Verladen bald Gewohnheit für das Pferd sein und es wird diesen problemlos betreten. Falls ein Sturz oder ein Unfall mit dem Pferd auf dem Anhänger passiert oder das Pferd verbindet, dass es damit immer in Situationen gebracht wird, die ihm unangenehm sind, wird es anfangen, nicht mehr freiwillig auf den Anhänger zu gehen. Hier handelt es sich nicht um böswilliges Fehlverhalten des Pferdes, sondern um ein angstgesteuertes Problemverhalten, dem man durch sehr langwierige Desensibilisierung und erneuten Vertrauensgewinn entgegensteuern kann. 

Ist sich der Tierhalter oder Besitzer nicht bewusst ist, dass Pferde in einer Rangordnung leben und der Sozialpartner Pferd den Sozialpartner Menschen in diese Rangordnung einordnet. Wird der Mensch durch Angst, mangelnde Konsequenz oder Durchsetzungsvermögen vom Pferd in der Rangfolge unter diesem eingestuft, kann es leicht zu Problemverhalten des Pferdes kommen, da dieses dem Menschen nicht ohne Weiteres folgen wird, sondern selber die Führung übernimmt. Auf diese Weise kann es zu Verhaltensweisen kommen, dass das Pferd sich nicht führen, nicht reiten oder sich nicht einfangen lässt.

Doch auch zu viel Druck und Grobheit, die Angst und Schmerzen beim Pferd erzeugen, können Problemverhalten und Widersetzlichkeiten erzeugen.

Das Spektrum an Problemverhalten von Pferden ist außerordentlich vielfältig und in vielen Fällen für den Pferdehalter oder Reiter gut zu handhaben. Oft betrifft das unerwünschte Verhalten auch nur Teilbereiche im Umgang mit dem Menschen und wird von diesem als lästig, aber nicht untragbar toleriert, wenn es sich zum Beispiel um ein exzellentes Reitpferd handelt, das im Umgang in der Box eher problematisch ist.

Letztendlich benötigen nicht nur Pferde mit Problemverhalten, sondern alle Pferde im Umgang einen sachkundigen und durchsetzungsfähigen Partner Mensch, der das Pferd mit Konsequenz, einem großen Wissens- und Erfahrungsschatz sowie einem guten Einfühlungsvermögen anleitet und führt. Darauf ist besonderer Wert in der Erziehung und Gewöhnung des jungen Pferdes zu legen, damit sich schwerwiegendes Problemverhalten gar nicht erst entwickelt.

Umgangssprachlich wird Problemverhalten oft mit dem Begriff „Stalluntugenden“ beschrieben, was auf schlechtes Benehmen, bösen Willen und schlechten Charakter bei den Pferden schließen lässt. Das ist grundsätzlich auszuschließen, wenn man sich intensiv mit dem Ursache-Wirkungs-Prinzip auseinandersetzt.

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